Zum Inhalt springen
Systemisch-lösungsorientiertes Coaching Margret Kock
2 Min. Lesezeit

Selbstmitgefühl (Teil 2): Unsere angeborene Fähigkeit zur Fürsorge

Verstehen Sie das Zusammenspiel von Alarm-, Antriebs- und Fürsorgesystem und finden Sie Ihre Balance.

Selbstmitgefühl (Teil 2): Unsere angeborene Fähigkeit zur Fürsorge

Selbstmitgefühl ist als kraftvolle Ressource im Menschen angelegt. Durch unsere angeborene Fähigkeit zur Fürsorge können wir unsere seelischen Abwehrkräfte stärken. Selbstmitgefühl bedeutet nicht, sich in Watte zu packen. Es erfordert Mut, eigene Fehler und Unvollkommenheiten zu erkennen und „trotz allem“ gut zu sich zu sein.

Der englische Psychologe Paul Gilbert beschreibt drei grundlegende Systeme zur Regulierung unserer Gefühle, die wir verstehen sollten:

1. Das Alarmsystem

Unser Alarmsystem ist eng mit unserem Überlebensinstinkt verbunden. Es wird aktiviert, wenn wir uns bedroht fühlen. Stresshormone wie Adrenalin und Kortisol werden ausgeschüttet. Die Reaktion: Kampf, Flucht oder Erstarrung. Auch innere Reize (z.B. zu hohe Ansprüche) können das Alarmsystem auslösen. Wir bekämpfen uns dann selbst mit Selbstkritik.

2. Das Antriebssystem

Das Antriebssystem motiviert uns, Ziele zu verfolgen. Es treibt uns zu Leistungen an (Prüfungen, Karriere, Sport). Hat sich die Anstrengung gelohnt, wird Dopamin ausgeschüttet – wir empfinden Freude und Stolz. Gefahr: Wir suchen ständig neue Ziele und treiben uns weiter (“Stressfalle”).

3. Das Fürsorgesystem

Unser Fürsorgesystem verschafft uns Sicherheit und Raum, zur Ruhe zu kommen. Wenn wir Fürsorge und Geborgenheit erleben, wird das „Wohlfühl-Hormon“ Oxytocin ausgeschüttet. Furcht nimmt ab, wir entspannen uns. Selbstmitgefühl wurzelt in diesem System. Wir können uns selbst gegenüber genauso fürsorglich sein wie anderen gegenüber.

Balance halten

Im Idealfall regulieren sich diese drei Systeme so, dass eine gesunde Balance entsteht. Zwischen Alarm und Antrieb braucht es eine Pause (Fürsorge), um Kraft zu tanken.

Übung 1: Wie steht es um Ihre Balance?

Zeichnen Sie drei Kreise (für Alarm-, Antrieb- und Fürsorgesystem) auf ein Blatt Papier.

  • Kommt eines der Systeme zu kurz? Wenn ja, welches?
  • Wie müsste es aussehen, wenn alle drei Systeme im Einklang sind?
  • Was brauchen Sie besonders?

Übung 2: Das Fürsorgesystem aktivieren

Gönnen Sie sich Momente der Freude und des Genusses. Jeder Mensch hat seine eigenen Kraftquellen: Natur, Freunde, Musik, Kunst…

Wie wär’s mit einem Genussspaziergang? Es gibt so viel zu entdecken: Das Zwitschern der Vögel, Wind auf der Haut, das kecke Mauerblümchen. Selbst bei Regen tut es gut, tief durchzuatmen.

Häufig gestellte Fragen